Im Sommersemester 2025 wurde dieser Kurs von Mitarbeiter*innen des Zentrums Grundlagenforschung Alte Welt (ZGAW) der BBAW entworfen und durchgeführt. Er war ebenfalls Bestandteil jener Maßnahmen, die die BerGSAS im Rahmen des Projekts ‚Einstein Foundation Doctoral Program‘ durchführt, und adressierte insbesondere Promovierende, die einen sprach- oder literaturwissenschaftlichen Forschungsfokus haben. Im Mittelpunkt der Schulung standen u.a. folgende Inhalte: Digitale Werkzeuge, die seit kurzem im Bereich von Edition und der Erfassung der Archivalien und epigraphischen Zeugnissen an der BBAW zum Einsatz kommen; die Verwendungsbereiche und der praktische Umgang mit der Software Jupyter Notebook für die Bearbeitung von sprachwissenschaftlichen Forschungsdaten; die Anwendungen von KI-Methoden zur Bild- und Texterkennung bei der Erfassung, Klassifizierung und Auswertung von textbehaftetem Material wie antiken Münzen und die Nutzung von Handschriftentexterkennung (HTR) im Editionsprozess.
Termine
15.04., 14-18 Uhr
Corpus Inscriptionum Latinarum
Beate Zielke und Ulrike Ehmig stellen das Corpus Inscriptionum Latinarum (CIL), die 1853 unter Leitung von Theodor Mommsen an der Akademie eingerichtete Arbeitsstelle, vor und geben Einblick in das reiche historische Archiv. Vorgestellt werden im Anschluss die digitalen Werkzeuge, die seit kurzem im Bereich von Edition und der Erfassung der Archivalien zum Einsatz kommen. Konkret wird die Anwendung der digitalen Arbeitsumgebung Epigraf (entwickelt seit 20 Jahren im Akademienvorhaben Deutsche Inschriften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit) vorgestellt, die im Zuge der Edition der Inschriften aus Augsburg genutzt und für den Bedarf der antiken lateinischen Epigraphik angepasst wird. Einblick wird ferner gewährt in die FileMaker-Datenbanken der Arbeitsstelle sowie insbesondere in die Erfassung und Präsentation von Archivalien über die Plattform museum-digital.
06.05., 14-18 Uhr
Wörterbuch der ägyptischen Sprache
Das Akademienprojekt „Strukturen und Transformationen des Wortschatzes der ägyptischen Sprache: Text- und Wissenskultur im Alten Ägypten“ veröffentlicht altägyptische Textkorpora und Lemmalisten auf https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de (TLA). Außerdem werden die Daten auf huggingface.co, Wikidata und in einer API https://textplus.thesaurus-linguaeaegyptiae. de veröffentlicht. Die Sitzung beginnt mit einer Einführung in das TLA-Projekt und seine Veröffentlichungen. Wir werden uns mit den Hindernissen befassen, die die Veröffentlichung ägyptischer Hieroglyphen in maschinenlesbarer Form, d.h. in Unicode kodiert (statt nur als Bilder), erschweren. In einer praktischen Sitzung werden die Studierenden lernen, die TLA-API in Jupyter Notebooks (Python) zu verwenden und zu testen. Wir werden uns auch mit der Veröffentlichung von Lemmata in Wikidata und der Abfrage von Lemmata in Wikidata mit Hilfe des SPARQL-Endpunkts (https://query.wikidata.org) beschäftigen.
20.05., 14-18 Uhr
Inscriptiones Graecae
Sebastian Prignitz und Matthäus Heil die Inscriptiones Graecae (IG) vor, die seit 1815, zunächst unter dem Namen Corpus Inscriptionum Graecarum (CIG), an der Akademie die griechischen Inschriften des Mutterlandes, des Balkanraumes, Unteritaliens und Zyperns in Corpusform ediert. Es wird ein Einblick in das große Archiv von Abklatschen und Scheden gegeben. Vorgestellt wird im Anschluss die Webseite des Unternehmens mit der „digitalen Edition“ (http://telota.bbaw.de/ig/) mit Text, Übersetzungen (in mehreren Sprachen), Editions-Snippetts und Photos von Abklatschen. Schließlich wird eine neue, eigens für die IG entwickelte Schriftart vorgestellt (M. Heil).
03.06., 14-18 Uhr
Imagines Nummorum
Das neue Akademienvorhaben „IMAGINES NVMMORVM: Thesaurus Iconographicus Nummorum Graecorum Online (ThING)" präsentiert seine Aufgabenstellung, die auch Anwendungen von KIMethoden zur Bild- und Texterkennung umfasst. Die bisherigen Erfahrungen auch aus den Drittmittelprojekten des Corpus Nummorum werden evaluiert. Es wird der Workflow der Erfassung, Klassifizierung und Auswertung antiker griechischer Münzen von der digitalen Fotografie bis zur Aufnahme und Typisierung in einer MySQL-Datenbank, die auch auf RDF gemappt ist, gezeigt und hervorgehoben, welche Herausforderungen es bei der Nutzung von Machine Learning Methoden für die Zuweisungen von Münzen und für ikonographische Analysen gibt. Ferner wird die Bedeutung von Datenqualität, Linked Open Data und Normdaten thematisiert.
17.06., 14-18 Uhr
Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina
Luigi Orlandi, Nikos Agiotis und Lutz Koch stellen das Akademienvorhaben Commentaria in Aristotelem Graeca et Byzantina (CAGB) vor, das seit 2012 an der BBAW angesiedelt ist. Texte, Handschriften-beschreibungen und Inventardaten zur griechisch-byzantinischen Aristoteles-Tradition stellen der Forschungsgegenstand des Teams dar. Es wird ein Einblick in das Corpus an digital edierten Texten sowie in die digitale Handschriften-Datenbank des Projekts (https://cagbdigital.de/index.html) gegeben.
01.07., 14-18 Uhr
The Alexandrian and Antiochene Bible Exegesis in Late Antiquity
Annette von Stockhausen („Die alexandrinische und antiochenische Bibelexegese in der Spätantike“) stellt die Nutzung von Handschriftentexterkennung (HTR) im Editionsprozess und die digitale Editionsplattform des „Patristischen Textarchivs“ (PTA) (https://pta.bbaw.de) vor. Anschließend werden mit Hilfe von Jupyter Notebooks (Python) gemeinsam Möglichkeiten zur Recherche im Datenbestand des PTA jenseits der Werkzeuge der Weboberfläche erkundet.
15.07., 14-18 Uhr
Antiquitatum Thesaurus
Jonas Engelmann, Nils Hempel und Timo Strauch stellen das Akademienvorhaben „Antiquitatum Thesaurus. Antiken in den europäischen Bildquellen des 17. und 18. Jahrhunderts“ vor, das 2021 seine Arbeit aufgenommen und eine geplante Laufzeit bis 2044 hat. Es erstellt eine frei zugängliche Online-Datenbank, in der Informationen über ein repräsentatives Corpus an frühneuzeitlichen Zeichnungen und Druckgrafiken, über die darin abgebildeten Antiken (oder für antik gehaltenen Objekte) und über die zwischen Bildquellen und Artefakten bestehenden Beziehungen gesammelt werden. Vorgestellt werden sämtliche Komponenten des digitalen Workflows des Vorhabens von der Datenerfassung bis zur Präsentation, darunter die Eingabeumgebung heidICON (UB Heidelberg), die Transformation der relationalen Daten in RDF-Triple (konform zur Ontologie des CIDOC CRM) und verschiedene Komponenten des Thesaurus-Frontends (u.a. Query Builder für SPARQL-Abfragen und Beziehungsgraph).
Time & Location
Apr 15, 2025 - Jul 15, 2025
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Unter den Linden 8
10117 Berlin
Lise-Meitner-Saal (07W04)
