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16 Nov 2016

Das EC-C hält Einzug!

Das Berliner Antike-Kolleg öffnet die Türen der Villa in der Otto-von-Simson-Straße 7 für das erste geisteswissenschaftliche Einstein-Zentrum.

Zeit – das ist das Thema des neuen Einstein-Zentrums CHRONOI, das sich mit Fragen zu Zeit und Zeitbewusstsein in den Gesellschaften der Alten Welt beschäftigt. Wann entstand das Konzept Zeit? Wo? Wie hat es sich entwickelt? Welche Rolle spielt es in den verschiedenen Phasen der Menschheitsgeschichte? Wie interagieren biologische, physikalische und kulturelle Faktoren in diesem Konzept? Wie lassen sich Daten aus dem Altertum mit den gegenwärtigen Erkenntnissen der Zeit-Forschung verbinden?

In dem Einstein-Zentrum CHRONOI werden diese und andere Fragen zusammen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt erforscht: Hier sollen die Wahrnehmungsformen, Ordnungen und Vorstellungen von Zeit in unterschiedlichen Kulturräumen, Gesellschaften und Epochen der Alten Welt zusammengedacht und in aktuelle Forschungszusammenhänge eingebunden werden. Archäologinnen, Historiker und Philologinnen werden hier ebenso arbeiten wie Biologen, Biophysikerinnen, Genetikerinnen oder Sozialwissenschaftler und Linguistinnen.

Wir möchten Ihnen einen Einblick in die Forschungsagenda des neuen Zentrums bieten. Wir laden Sie herzlich ein, am 16. November 2016 ab 18:00 Uhr in den Räumlichkeiten des Einstein-Zentrums CHRONOI in der Otto-von-Simson-Straße 7 vorbeizuschauen.

Programm

Grußworte

Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin
Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin

 

Vorstand des Berliner Antike-Kollegs

Eva Cancik-Kirschbaum, Freie Universität Berlin
Christoph Markschies, Humboldt-Universität zu Berlin
Hermann Parzinger, Stiftung Preußischer Kulturbesitz

 

Erdgeschoss

Station A: Zeit in Texten (Marscha Schneider & Johanna Meinhard, Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«), 18:30 Uhr & 19:15 Uhr

Marscha Schneider und Johanna Meinhard lesen antike Primärquellen aus unterschiedlichen Kulturräumen, Gesellschaften und Epochen sowie zeitgenössische Texte zum Thema Zeit. Wie sahen die antiken Zeitgenossen, und wie sehen wir heute, Aspekte der Tagesrhythmizität und der Zeitwahrnehmung? Die Texte werden jeweils kurz in den historischen Kontext eingeordnet.

 

Station B: Zeit in der Musik (Lars-Christian Koch, Ethnologisches Museum Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz & Jin Hyun Kim, Systematische Musikwissenschaft – Humboldt-Universität zu Berlin), 18:50 Uhr & 19:40 Uhr

Lars-Christian Koch und Jin Hyun Kim führen Repliken antiker und rezenter Klang- und Musikinstrumente vor. Klänge und Musik sind im Altertum wie in der Gegenwart in Zeit eingebettet, werden von ihr strukturiert, können sie aber im kulturellen Kontext auch selbst strukturieren. Signalinstrumente können über Distanz Ereignisse zeitlich koordinieren, Klangobjekte können durch einen bewusst gestalteten Klangraum eine „rituelle Zeit“ entstehen lassen, die Standardisierung von Stimmungssystemen hat oft eine Standardisierung von zeitlichen Abläufen zur Folge, die sich etwa in Beziehungen von Melodiemodellen (indische Raga) zu Tages- und Jahreszeiten zeigen. Konzepte zur rhythmischen Gestaltung von Klangereignissen lassen oft Rückschlüsse auf kulturelle Zeitwahrnehmung zu. Durch die Erprobung antiker Klangformen mit Methoden der Archäologie, Musikethnologie und Kognitionsforschung lässt sich auch antikes Zeitbewusstsein besser nachvollziehen.

 

Obergeschoss

Station C: Die Zeit in uns (Hanspeter Herzel, Institut für Theoretische Biologie – Humboldt-Universität zu Berlin)

Hanspeter Herzel demonstriert neueste Erkenntnisse der biologischen Wissenschaften zur zeitlichen Organisation physiologischer Prozesse und wiederholter Verhaltensmuster von Organismen. Diese biologischen Rhythmen spielen zu allen historischen Zeiten eine konstante Rolle. Wie lassen sie sich für ein besseres Verständnis des antiken Umgangs mit Zeit nutzen? Hanspeter Herzel wird den Chronotyp von Gästen im Gespräch ermitteln und auch Rückschlüsse auf den Chronotyp historischer Persönlichkeiten versuchen. Ein entsprechender Fragebogen zur Bestimmung des eigenen Chronotyps lässt sich bereits vorab ausfüllen: https://www.bioinfo.mpg.de/mctq/core_work_life/core/introduction.jsp?language=eng

 

Station D: Zeit in Bildern und Objekten (Karin Gludovatz, Kunsthistorisches Institut - Freie Universität Berlin)

Karin Gludovatz präsentiert Beispiele spätmittelalterlicher „Stundenbücher“ aus der jüngst erworbenen Faksimile-Sammlung des Kunsthistorischen Instituts der Freien Universität. Einige dieser Bücher, die dem reichen, lesekundigen Adel als private Andachtsbücher dienten, zählen zu den schönsten jemals hergestellten Exemplaren illustrierter Handschriften: etwa die berühmten Très riches heures des Herzogs von Berry (1340-1416). Die Stundenbücher gliederten den Tag des Gläubigen. Ihre Bilder bieten aber auch reiches Anschauungsmaterial zum Alltagsleben.

 

Station E: Zeitmessung in der Antike

Daten der NASA machen es möglich: Auf ihrer Grundlage kann der Sonnenlauf in der Antike an bestimmten Orten rekonstruiert und auf 3D-Modelle antiker Sonnenuhren projiziert werden. An dieser Station wird in 3D-Simulationen der Schattenwurf auf mehrere antike Sonnenuhren unterschiedlichen Typs gezeigt. Gut sichtbar wird die Genauigkeit der Sonnenuhren bzw. der Gnomonausrichtung an bestimmten Tagen (Wintersonnwende, Äquinoktium, Sommersonnwende) entlang der entsprechenden Linien. Selbst die unterschiedliche Anzeige für verschiedene geographische Breiten lässt sich so simulieren.

 

Station F: Der Ursprung der Zeit (Noam Libeskind, Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam)

Die Kosmologie (griechisch „die Lehre von der Welt“) ist ein Forschungsgebiet, das versucht, Rückschlüsse auf das Urchaos zu gewinnen, das die Geburt unseres Universums auslöste. Die Kosmologie sucht nach Antworten auf einige der fundamentalsten Fragen, die die Natur uns stellt: Was ist das Universum? Wie ist es entstanden? Woraus besteht es? Was ist sein Schicksal? Noam Libeskind versucht, einige Antworten auf diese Fragen zu liefern und präsentiert dazu einige der spektakulärsten Fotographien, die jemals von Menschen gemacht wurden. Galaxien, Milliarden von Jahren in der Vergangenheit; einsame Gesteinsbrocken, die mit unvorstellbarer Geschwindigkeit durch das Sonnensystem schlingern; Sterne, die heller strahlen als Galaxien; und die Krümmung von Raum und Zeit an den Rändern von schwarzen Löchern.    

Kommen Sie auch gerne in Begleitung der ganzen Familie!

Während der Veranstaltung werden fotografische Aufnahmen gemacht, die in Druckmedien sowie im Onlinebereich verwendet werden.

Veranstaltungsort

Otto-von-Simson-Straße 7
14195 Berlin


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